*NORA

Meine liebe liebe liebe Nora,

vor wenigen Stunden hast Du tatsächlich etwas fertiggebracht, was nur die allerwenigsten zu schaffen vermögen: Du machtest mich vollkommen sprachlos, und zwar so sehr, daß mir die Luft wegblieb. Ich musste erfahren, daß Du uns bereits schon am 10.April verlassen hast. Ich bin vollkommen betäubt. Daß es Dir nicht gutging, hattest Du mir letztes Jahr privat geschrieben und auch den Grund genannt. Auch das war schon ein harter Brocken. Und jetzt bist Du einfach nicht mehr hier. Das ist hart.

Unseren letzten Kontakt via Facebook hatten wir am 6. März, ich habe vorhin nachgesehen. Kommt mir wie letzte Woche vor. Aber mir fiel vor einigen Tagen schon auf, daß ich von Dir schon seit geraumer Zeit nichts mehr wahrgenommen hatte – deswegen bin ich auf Dein Profil und las die entsprechenden Einträge Deiner lieben Familie und Freunde.

Ist es nicht unheimlich, wie schnell die Zeit verfliegt? Wir wollten uns immer mal treffen – wir kannten uns ja nur über das Internet, aber das immerhin schon seit über 15 Jahren. Du gehörst zu den ganz, ganz wenigen Menschen, die mir wirklich lieb sind. Zu einem Treffen kam es nie – aber das ist okay. Beinahe hätte es mal geklappt, vor ziemlich genau 10 Jahren; da wollten wir mit einem gemeinsamen Kumpel nach Belgien. Danke übrigens dafür, daß Du uns jetzt wieder zusammengeführt hast: zwischen Chris und mir herrschte ja gut sechs Jahre vollkommene Funkstille. Als ich von Deinem Tod erfuhr, bin ich sofort auf sein Profil rübergeswitcht und habe ihn darauf angesprochen – keine 30 Minuten später telefonierten wir miteinander. Er wusste auch von nichts.

Ja, so ist es. Chris und ich sind hier, und Du bist dort. Unfassbar. Einfach unfassbar. Entschuldige, wenn ich das so platt formuliere, aber ich könnte kotzen vor Schock und Trauer. Der Tod – wie sehr ich ihn doch hasse und verachte. Er missfällt mir sehr, schon seit jeher. Einer meiner allerallerliebsten Unterhaltungskünstler, der wunderbare Herbert Feuerstein, der sechs Monate vor Dir gegangen ist, formulierte es in seinem köstlichen Nachruf so: „Das Leben ist ein einziges Abschiednehmen“. Er hat völlig recht. Mal wieder. Aber genauso, wie ich den Tod hasse, hasse ich Abschiede. Deshalb verabschiede ich mich nicht von Dir, ich verweigere mich schlichtweg. Wo kämen wir denn da hin? Du weißt, was ich meine.

Unser Treffen wird stattfinden, allerdings in einer anderen Galaxis oder Ebene, da bin ich mir sicher. Und warum auch nicht: es könnte sogar weitaus spaßiger werden als auf dieser profanen Erde und in diesem Leben. Feierlich ist es hier eh nicht. Wenn möglich, sag bitte Herbert und all den anderen pro forma bescheid, daß ich auch irgendwann mal vorbeischaue. Chris kommt auch mit. Bereite alles schon mal vor, ich vertraue Dir da blind. Wird lustig.

Es ist – wenn überhaupt – nur ein vorübergehendes Abschiednehmen. Passend dazu anbei ein alter Song aus den späten 50er Jahren, den ich unglaublicherweise gehört hatte, unmittelbar, bevor ich Dein Facebook-Profil anklickte. Die eine Textzeile aber, „You took my love / and made it die / when you said goodbye“ ist nicht richtig. Meine Liebe zu Dir glüht ewig.

Bis wir uns endlich sehen, vertreibe ich mir halt einfach hier unten solange die Zeit. Das wird schon gehen irgendwie. Meine Güte, Nora… Du hättest mich schon gerne mitnehmen können. Ich hätte sofort JA gesagt! Mit Dir, Hand in Hand, ins Nirwana zu gleiten, wäre die ultimative Erfahrung geworden.

❤

xxx

m.

„YOU SAID GOODBYE“
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*Auf der Suche nach der 20

Vom jämmerlichen Versuch, die Tatsache wegzuwischen, daß man selber ein alter Knochen ist, und vom Anbeten junger Götter in frischem Aspik.

Seit ich die 40 überschritten habe – das ist nun 2 1/2 Jahre her -, weiß ich, daß ich nicht mehr jung bin. Natürlich hat das nur etwas mit Psychologie zu tun und mit der Einstellung zu sich selbst und zum Leben. So gesehen könnte ich aufatmen, denn ich habe mich nie so wirklich jung gefühlt, zumindest kann ich mich nicht mehr an diesen Zustand erinnern. Aber machen wir uns nichts vor: jeder von uns wird tatsächlich irgendwann alt, biologisch betrachtet, das setzt sogar schon relativ früh ein, ich erinnere da an meinen schweren Bandscheibenvorfall von vor zehn Jahren, der operativ behandelt werden musste, oder an Haarausfall, dessen gnadenlosem Anheimfallen, zu meinem größten Erstaunen, ganz schön viele Männer ringsum hilflos ausgesetzt sind, die noch jünger sind als ich! Ob es an miesem Essen liegt oder an zu vielen Ausdünstigen von zu vielen Menschen auf diesem Planeten, weiß ich nicht und es interessiert mich auch nicht. Wahrscheinlich war es schon immer so gewesen, nur bemerke ich es jetzt erst, weil ich betroffen bin.

Verstehen Sie mich recht: dieser Aufsatz hier wird kein Wehklagen, es gibt sicher auch Vorteile, alt zu werden, allerdings wurden sie mir noch nicht offenbart. Mit etwas betretendem Blick schaue ich daher doch schon so hin und wieder ratlos auf die eigene 20 zurück, sofern die Erinnerungen nicht all zu vernebelt sind (ich habe da so manchesmal meine Probleme, was mich allerdings mehr beruhigt als sorgt). Und man blickt um sich: wo sind die großmäuligen Gleichaltrigen, die damals vor 20 Jahren alle so cool und toll und der absolute Kracher waren; nach etwas Recherche im Netz atmet man wenig später unverhofft auf, lehnt sich zurück und weiß: sooo sehr gealtert ist man im Vergleich dann nun doch wieder nicht – bis einem die nächsten Zweifel überkommen, aber das ist voraussichtlich erst übermorgen wieder Thema. Was indes haften bleibt ist der knallharte Fakt, daß die eigene Lebenszeit unbarmherzig schnell vorüberzieht. 20 Jahre sind NICHTS – und doch liegt so viel dazwischen.

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*To Know Him Is To Love Him

Here from my collection a small selection of (more bad than right) CDs that currently contain exclusively Phil Spector’s music.
If you are interested in the great music legend PHIL SPECTOR, you might also like my blog UNCHAINED FEELING: THE AFTERLIFE OF PHIL SPECTOR (FROM HIS SON’S POINT OF VIEW), based on an interview I just did with his son Gary last month.

I asked myself three questions in advance:

* Who will inherit Spector’s entire fortune of $50,000,000?

* What happened to the recordings he produced in the 50s and 60s?

* And who will take care of his memory?

In essence, Gary was able to answer the questions – but new ones opened up as a result, that was inevitable. The former manager of the Rolling Stones said after reading the blog that Gary’s fate is „more than sad“.

Love and strength to Gary Phillip Spector and love and peace to his father Phil. We’ll stay in touch.

xxx

m.

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*Wie Unkraut: Stoner, unverwüstlich!

So manche Persönlichkeit kommt, bleibt einen Moment – und ist dann in den Annalen der eigenen, bisweilen dezent verschwommenen Erinnerung entschwunden. Vielleicht findet man später, nach einigem Stöbern, ein paar wenige Bruchstücke auf YouTube oder sogar noch auf Facebook, aber das kann man im wesentlichen schlicht unter Schutthaufen der Vergangenheit einordnen und archivieren – und vergessen. Virtueller Menschenmüll, den es seit Internetzugang zuhauf gibt.

Im August 2017 schrieb ich einen Blog mit dem Titel Ladies And Gentlemen: Deutschlands Cannabis-YouTuber #1 – Stoner!! Kann sich daran noch jemand erinnern? Oder an Stoner selbst? Damals waren so einige junge Leute im gesamten Bundesgebiet am Start, die mithilfe der immer noch verbotenen grünen Pflanze auf YouTube Karriere machen wollten. Als Aufklärer, Aktivisten, Hampelmänner, je nachdem. Einige wenige waren unterhaltungsmäßig verdammt vielversprechend. Alle weg, mittlerweile. Untergetaucht. Verschollen. Untergegangen in der Masse, irgendwo in der Gesellschaft. Einfach verpufft.

Nur Stoner aka Daniel gibt nicht auf. Das war der Junge mit dem Krebs, der mit 18, während unschöner Chemotherapien, Cannabis für sich entdeckte. Damals trieb er sein Unwesen am Bodensee, hatte über 40000 Abonennten auf seinem damaligen Kanal und veranstaltete Fantreffen. Dann kam der harte Cut: Umzug nach Duisburg. Verwandte drängten ihn, mit YouTube und dem Kiffen aufzuhören, zwängten ihn in eine Schule. Er löschte seine mehr als 90 Videos, die oft geklickt wurden, blieb über viele Monate offline. Doch die Sache mit der Weiterbildung und Abstinenz war dann doch nicht so das Gelbe vom Ei, er wollte seinen Fame zurück.

Ja, ihn gibt es immer noch. Er macht und tut. Er kifft und raucht. Und kommt von YouTube einfach nicht los, geschweige denn vom Cannabis. Und dafür liebe ich ihn. Dafür und für sein süßes Lächeln. Auf seinem momentanen Kanal tummeln sich etwas weniger Leute als früher, es ist alles übersichtlicher geworden, weniger hektisch. Unten stehend seine zwei neuesten Videos, noch keine Stunde alt. Mal sehen, wie lange sie online bleiben. Bis zum nächsten Mal. Ich hoffe das Beste für ihn – und das meine ich wirklich so. Seit vier Jahren versucht er sich im Neu-Erfinden. Vielleicht gelingt es ja doch noch. Lass‘ krachen, Dude!